Ich lerne, strenge mich an, versuche alle Infos in meinem Kopf zu speichern... und doch erscheint es mir immer, als würde ich das Licht am Ende des Tunnels nie sehen.... :-((Und so etwas nennet man bei uns in der Schweiz "Prüfungsvorbereitungszeit" oder, wenn man eher den euphemistischen Ausdruck verwenden möchte, der heutzutage bei den meisten Schulen äusserts beliebt ist, könnte man es auch als "Lesewoche" bezeichnen.
"Lesewoche"... hmm... klingt doch so schön - luftig, locker, leicht - ganz so, als könnte es Spass machen! Ha! Von wegen Spass!!! Mehr als einen dampfenden Kopf, wirre Gedanken und einen konfusen Geist erreicht man trotz aller Anstrengung nicht. *seufz*
Da ist es doch viel angenehmer, die Gedanken schweifen zu lassen und sich seinen Träumereien hinzugeben. Ich sehe es schon vor mir: Das weite, tiefblaue Meer, die glitzernde Wasseroberfläche und ich spüre sogar schon eine sanfte Brise, die meine Haut streichelt.
Die Luft ist erfüllt mit dem typischen Duft von Salzwasser - leicht fischig und jodhaltig, aber gleichzeitig mit einer gewissen Frische - das ich sogar auf meinen Lippen schmecken kann, wenn ich verträumt mit meiner Zunge darüber fahre. Ich könnte eine ganze Ode an die Meeresbrise und das Salzwasser verfassen, wenn ich es nur möchte, aber meine Phantasie fliegt weiter, will nicht nur auf ein einziges Detail verweilen und so schweifen meine Gedanken weiter...
Die Sonne scheint heiss auf mich herab, erhitzt den Asphalt, der vor sich hinflimmert, während ich zur Mittagsstunde darüber schlendere. Ich habe Zeit, muss nicht stressen, habe den ganzen Tag nichts vor... ausser mich um mich selbst zu kümmern und all das zu tun, worauf ich Lust habe.
Und genau diese Lust treibt mich weiter, lässt mich den Hügel hinuntersteigen auf einen wunderschönen weissen Sandstrand zu, wo ich genau weiss, dass ich meinen flauschigen Strandlaken werde ausbreiten können und mich der warme Sand wie eine Umarmung willkommen heissen wird.
Ich steige weiter hinab, nähere mich immer mehr meiner Zuflucht entgegen und endlich...endlich, lehne ich mich zurück auf meinem Tuch und geniesse die Ruhe.
Aber nach der Ruhe kommt bekanntlich auch immer wieder ein Sturm! Dunkle Wolken ziehen über mich hinweg, versetzen mich in Unruhe und Angst. Ich versuche ihnen zu entfliehen, aber sie sind schneller. Was soll ich nur tun? Da! Da ist ein Unterschlupf! Nichts wie rein!
Während ich - von meinem sicheren Plätzchen aus - den Sturm draussen vor der Tür beobachte, mache ich mir Gedanken. Wieso musste ich meinen warme, kuschelige Auszeit wieder unterbrechen. Sogar hier muss mich diese blöde Angst und Unruhe verfolgen, aber jetzt habe ich echt genug! Meine Träume lasse ich mir nicht versauen!
Ich lasse meine Sandalen fallen, werfe die Tasche zu Boden und stürze aus meinem Unterschlupf hinaus. Innerhalb von wenigen Sekunden bin ich von oben bis unten nass, alles klebt an mir und ich spüre, wie das Wasser an mir hinunterrinnt. Ich fange an zu lachen, drehe mich im Kreis... immer schnelle... und noch schneller, bis alle Farben ineinander zerfliessen und alles nur noch verschwommen wahrnehmbar ist. Der Regen ist warm, der Wind ist mild...die Elemente heissen mich willkommen, begrüssen mich freudig-erregt und lassen mich an ihrer Stärke teilhaben.
Ich tanze, bewege mich zu einer imaginären Musik und lasse den ganzen Frust aus mir heraus! Ja, bei mir liegt die letzte Entscheidung, denn auch aus schlechten Sachen, kann man eine gute Sache daraus machen! :-) Ich verkünde meine Entscheidung und zeige damit, dass ich mich nicht so leicht unterkriegen lasse. Ja, vielleicht werde ich wieder genervt sein, vielleicht werde ich mich auch wieder beschweren, aber ich werde immer im Hinterkopf behalten, dass nach dem Sturm immer die Ruhe kommt... ;-)
Das Träumen kann man mir schliesslich nicht verbieten. Was, wenn es sogar das Einzige ist, was einem vorantreibt, was einem auf den Beinen hält und noch mit Hoffnung versorgt? Nein, das Träumen kann man uns wirklich nicht verbieten...
Ich sitze also hier - meine Unterlagen um mich herum verteilt - mache fleissig, aber voller Unlust, weitere Notizen über irgendwelche sinnlosen Kriege, die die Menschheit vom Zaun hatte brechen müssen (und für was überhaupt, frage ich mich... Geld? Macht? Langeweile?), nur um irgendwelche eingebildeten (und meist überflüssligen) Bedürfnisse befriedigen zu müssen.
Menschen und ihre Fehler! Nein, wir sind wirklich nicht perfekt...keiner ist es. Aber es gibt immer solche Mensch, die grössere und solche, die kleinere Fehler machen. Meistens müssen wir genau dann noch über diese Menschen reden, die die schlimmsten Fehler begangen haben! Möchte ich also jemals in einem Geschichtsbuch auftauchen? Eher nicht! Nein, danke, denn wenn ich zuerst katastrophale Dummheiten begehen sollte, bevor man sich an mich erinnert, möchte ich viel lieber in Vergessenheit geraten!
Die Augen fallen mir jetzt langsam zu. Morpheus ruft mich zu sich, will mich entführen in seine Welt, welche aber gleichzeitig auch meine ist für heute Nacht, und möchte mir Vergessenheit schenken. Vergessenheit und Ruhe. Ja...ich werde ihm wohl nachgeben, mich in sein Reich begeben und hoffen, dass morgen wieder alles besser sein wird.
Ich schliesse die Augen, lehne mich zurück und fühle wie der Schlaf mich überkommet. Ja, ich heisse dich willkommen, mein Freund! Das Letzte, was ich noch bemerke, ist der Salzgeschmack auf meinen Lippen...

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