Montag, 17. Januar 2011

So was wie Liebe

Ok, ich gebe es zu: Ich liebe kitschige Liebesromane, in denen es immer ein Happy Ende gibt! Nicht etwa, weil mir das Cover gefallen würde, denn schliesslich sollte man ein Buch nie nach seinem Umschlag beurteilen (und diese, welche ich lese sowieso meist extrem hässliche Bilder anbieten), sondern weil sie mit dem echten Leben rein gar nichts zu tun haben.
Wer bitte schön findet denn seinen Traumprinzen von einem Tag auf den anderen und erkennt ebenso schnell, dass dieser Typ genau der Richtige ist? Kein Mensch! Ok, vielleicht gibt es Ausnahmen, aber die bestätigen ja wiederum nur die Regel...
Liebe auf den ersten Blicke...hmmm...das will einfach nicht in meinem Schädel passen irgendwie. Auch Liebe auf den zweiten Blick kommt mir etwas suspekt und unwahrscheinlich vor. Wenn man sich verliebt, liegt es meistens am 100. oder 1'000. Blick, dem man einer Person gönnt!
Das ist unromantisch, meint ihr? Nein, nur realistisch! Ich liebe gute (und manchmal auch schlechte) Liebesgeschichten und ich bin auch eine grosse Romantikerin, nur leider habe ich in meinem eigenen Leben und den Leuten in meinem Bekanntenkreis nie von Liebe auf den 1. Blick sprechen hören...
Es heisst meist: "Ich habe diesen heissen Typen kennengelernt und wir waren was zusammen trinken." Oder auch: "Gott, ich kann diesen Kerl sowas von nicht ausstehen!!!" Und dann kommt alles anders, man läuft sich ständig über den Weg, fängt bei Gelegenheit ein Gespräch an und trifft sich dann mal zu einem zwanglosen Date, sollte die Chemie stimmen. Liebe entwickelt sich mit der Zeit, sie entsteht nicht ganz plötzlich von einer Sekunde zur nächsten!
Und den Traummann trifft man erst recht nicht! Wir haben alle eine Liste (auch wenn die meisten es nie im Leben zugeben würden) mit Eigenschaften, die den perfekten Partner ausmachen sollten. Meistens ist die Liste so lang, dass die ganzen Papiervorräte dieser Welt nicht ausreichen würden, möchte man sie schwarz auf weiss festhalten wollen...
Auf meiner Liste sind z.B. so viele Punkte enthalten, dass nicht mal ich mich mehr an alle erinnere! Der Mann sollte es am Ende jedenfalls schaffen, meine ganze Welt auf den Kopf zu stellen (natürlich im positiven Sinne gemeint!) und mich mit seinem Humor überraschen, mich zum Lachen bringen...
Aber wer hat bis jetzt schon einen Menschen kennengelernt, auf den alle Punkt der Liste zutreffen?! Niemand! Denn es ist auch eine Sache der Unmöglichkeit, alle Punkte zu erfüllen, meist sind es sogar paradoxe Eigenschaften, die diese Person ausmachen sollten... Und wie man weiss, ist unsere Welt nicht gerade für paradoxe Phänomene geschaffen.
Schaut man sich die Pärchen an, merkt man, dass meist 2 Personen zusammenkommen, die man niemals als "füreinander bestimmt" ansehen würde! Meist überrascht es diese Menschen selber, mit wem sie zusammenkommen. Sie haben sich im Kopf dieses Idealbild geschaffen und dann trifft man auf einer Person (den zukünftigen Partner), die das völlige Gegenteil dieses Idealbildes verkörpert! Der Kopf möchte zwar streiken, aber der Körper (und das Herz) sind schwach und geben nach: Das Bild passt sich von Mal zu Mal immer mehr an, bis er schlussendlich mit der Person übereinstimmt. Auch dies ist also ein Prozess oder ein Flussdiagramm, wenn man es so nennen möchte.
Was mich an Lieberomanen nun so interessiert? Dass diese Welt dort noch so versuchen kann, sich an unsere Realität zu messen und sie zu verkörpern, aber sie wird immer nur Fiktion bleiben. Die Menschen sind trotz ihrer angeblichen Fehler schlussendlich doch immer perfekt. Sie treffen auf ihren perfekten Partner, haben eine schwierige Beziehung (da sie sich meist nicht eingestehen wollen, dass aus Hass Liebe geworden ist), die sich dann in einer perfekte Beziehung verwandelt (ob da gute Feen ihre Hände im Spiel haben??) und führen dann zusammen bis an ihr Lebensende eine perfekte Ehe. Die Realität bleibt bei all diesen "perfekten" Zufälle und Verstrickungen auf der Strecke liegen...
Die Charaktere in einem Roman können noch so kompliziert oder einfach gestrickt sein, schlussendlich erobern sie immer das Herz der Person, die es sich zu erobern lohnt. Im richtigen Leben würde man immer das Arschloch auswählen und würde unglücklich werden mit ihm, sobald die rosarote Brille sich auflösen würde mit der einkehrenden klaren Sicht auf die Realität... Von Perfektion keine Spur.
Ich entfliehe mit den Büchern der alltäglichen Routine und meinem eigenen jämmerlichen Liebesleben, der praktisch nicht-existent ist und bastle mir dabei meinen eigenen perfekten Traummann, spinne mir eine spannende und extrem romantische Liebesgeschichte zusammen und warte währenddessen darauf, dass es an der Tür klingelt und wenn ich öffne, mein Traummann davor steht... Tja, leider sind dies eben nur Tagträume, die sich nie erfüllen werden, denn das Leben kann man leider nicht gerade als "traumhaft" bezeichnen...mindestens nicht in 99,9% der Fälle.
Jetzt würde mich meine Mitbewohnerin an dieser Stelle eine Pessimistin nennen und ich würde ihr wie immer darauf antworten: "Schätzchen, ich bin einfach nur ehrlich. Realisten schlagen sich eben halt mit der Wahrheit herum. Für Pessimisten ist ein Glas halbleer, für Optimisten ist es halbvoll...und uns Realisten ist es egal, hauptsache etwas alkohlisches ist drin & wir können es austrinken!"
Ja, ja. Ich denke mir immer, es wäre wunderbar gewesen, in der Regency-Epoche in England aufzuwachsen (auch wenn es mich extrem gestört hätte, mein ganzes Leben lang von den Männern der Gesellschaft abhängig zu sein), wo man noch als Debütantin auftreten konnte, wo man noch auf Männern traf, die echte Kavalliere waren und die sich zu kleiden wussten und wo man, sollte man als Frau mit 27/28 Jahren noch nicht verheiratet sein, sich hätte als alte Jungfer abstempeln lassen können. Damals wusste man mindestens, wo man stand als Frau...
Ach ja und ganz nebenbei liebe ich die Mode dieser Epoche und die Ausdrucksweise. Ausserdem gefielen mir die Manieren und die Etikette, die man an den Tag legen sollte: Eine Hand zu halten, war damals noch etwas besonderes, ein Privileg, den sich ein Mann hart verdienen musste. Und genau deswegen war es umso begehrter, eine zarte Berührung bedeutete schon einen intimen Moment, ein geteilter Augenblick, den man nur mit jemandem erleben wollte, der einem auch wirklich wichtig war. Heute ist es nicht einmal mehr intim, wenn man zusammen in der Kiste war! Wo bleiben also die Highlights in unserem Leben? Wo die schönen und romantischen Erlebnisse?
Ja, ja, ich seufze und träume in meinem kleinen Kämmerlein, während ich mich eigentlich um mein Prüfungsmaterial kümmern sollte, denn diese Woche habe ich noch Semesterexamen an meiner Schule. Die Realität ist fies, für die schönen Dinge des Lebens bleibt einfach keine Zeit... Also kann ich nur darauf hoffen, dass mich mein Held in meinen Träumen besuchen kommt: Auf seinem Pferd kommt er dahingeritten, sein schwarzes Haar weht im Wind, seine blauen (oder grünen) Augen funkeln mich schelmisch an und er reicht mir seine Hand, um mich vor sich auf den Sattel zu ziehen. Gemeinsam reiten wir dann in eine bessere Zukunft...
Ach, und weil es gerade so schön ist, mache ich mich nun auf und davon, um mich ins Land der Träume zu begeben...Gute Nacht!

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